Was passiert nach 20 Jahren EEG? Optionen für Ü20-Anlagen 2026
EEG-Vergütung abgelaufen? Du bekommst noch ~4 ct/kWh — statt früher 57 ct. Welche Option sich jetzt lohnt, erklärt dieser Guide mit Entscheidungsbaum.
Du hast einen Brief von deinem Netzbetreiber bekommen. Oder vielleicht auch nicht — manche Netzbetreiber sind da nicht so mitteilsam. Jedenfalls ist klar: deine 20-jährige EEG-Vergütung läuft aus. Oder sie ist bereits ausgelaufen, irgendwo zwischen Silvester und deiner Stromrechnung vom Januar.
Was jetzt kommt, ist nicht das Ende. Aber es ist ein Wendepunkt — und der lohnt sich zu verstehen, bevor du irgendetwas unterschreibst oder abbaust.
Was genau passiert, wenn die 20 Jahre EEG-Vergütung ausläufen?
Die gute Nachricht zuerst: Nichts passiert automatisch Schlimmes. Deine Anlage läuft weiter, der Netzbetreiber nimmt deinen Strom weiterhin ab — nur zu anderen Konditionen.
Die 20-jährige Garantievergütung endet immer am 31. Dezember des 21. Betriebsjahres — nicht am genauen Jahrestag der Inbetriebnahme. Eine Anlage, die im Oktober 2005 ans Netz ging, verlor ihre Garantievergütung also am 31. Dezember 2025. Wer 2006 installiert hat, ist dran zum 31. Dezember 2026. Das klingt nach einem Detail, ist aber für viele eine Überraschung — weil der Brief vom Netzbetreiber manchmal kommt und manchmal einfach ausbleibt.
Was danach greift, ist die sogenannte Anschlussregelung, die durch das Solarpaket I im Mai 2024 bis Ende 2032 verlängert wurde (laut Verbraucherzentrale). Das bedeutet: Netzbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, deinen Solarstrom weiter abzunehmen. Du wirst nicht von heute auf morgen vom Netz gekickt. Du bekommst nur deutlich weniger dafür.
Wie viel Geld bekomme ich noch, wenn ich einfach weitermache?
Nach dem Ende der Garantievergütung bekommst du den sogenannten Jahresmarktwert Solar — das ist der durchschnittliche Börsenstrompreis für Solarstrom im jeweiligen Jahr. Davon zieht der Netzbetreiber eine kleine Kostenpauschale für die Abwicklung ab: 2026 sind das 0,23 ct/kWh (laut Verbraucherzentrale). Was bleibt, sind netto etwa 3,8 bis 4,3 ct/kWh.
Das ist kein Tippfehler. Das ist das Ende einer Ära.
Wer 2004 installiert hat, bekam damals 57,4 Cent pro Kilowattstunde — garantiert für 20 Jahre. Stell dir vor, du hast zwei Jahrzehnte lang dein selbst angebautes Gemüse zum Supermarktpreis verkauft. Jetzt kauft es dein Nachbar nur noch zum Großhandelspreis — und du bist froh, dass er es überhaupt noch abnimmt.
Was das in Euro bedeutet, ist ernüchternd:
| Anlagengröße | Jahreseinnahmen (nur Einspeisung) |
|---|---|
| 2 kWp | ca. 68 €/Jahr |
| 5 kWp | ca. 200 €/Jahr |
| 6 kWp (mit etwas Eigenverbrauch) | ca. 1.071 €/Jahr |
Quellen: ennergy.de, solaranlagen-portal.de
Der Marktwert Solar schwankt mit dem Börsenstrompreis — 2022 lag er wegen der Energiekrise kurzzeitig bei über 22 ct/kWh, in normalen Jahren bewegt er sich eher zwischen 3 und 5 ct/kWh. Mit einem dauerhaften Anstieg solltest du nicht planen. Wer sich die aktuellen Einspeisevergütungssätze für neue Anlagen anschauen möchte, findet sie in unserem Überblick zur Einspeisevergütung 2026.
Ist meine Anlage nach 20 Jahren eigentlich noch in Ordnung?
Meistens: ja. Photovoltaik-Module sind erstaunlich langlebig — die meisten halten bis zu 30 Jahre, mit einem typischen Leistungsrückgang von rund 0,5 bis 0,7 % pro Jahr. Nach 20 Jahren liefert eine Anlage laut solaranlagen-portal.de noch etwa 85 % ihrer ursprünglichen Leistung. Bei einer 5-kWp-Anlage sind das immer noch rund 4.250 kWh im Jahr — genug, um einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch gut zu versorgen.
Der Schwachpunkt ist nicht das Modul. Es ist der Wechselrichter — das Gerät, das den erzeugten Gleichstrom in den Wechselstrom umwandelt, den deine Steckdosen brauchen. Wechselrichter halten typischerweise 10 bis 15 Jahre. Eine 20 Jahre alte Anlage hat also entweder schon einen neuen — oder sie ist überfällig für einen. (Eine mittelgute Beziehung zum Netzbetreiber eben: hält, solange beide Seiten warten.)
Bevor du irgendetwas entscheidest, empfiehlt die Verbraucherzentrale eine Fachprüfung durch einen Elektriker: Kosten rund 250 bis 300 Euro. Das klingt nach unnötiger Ausgabe, ist aber die Basis für jede andere Entscheidung — und sie klärt auch, ob du für den Weiterbetrieb überhaupt Haftung trägst.
Was sind meine Optionen nach dem Ende der EEG-Vergütung?
Es gibt vier realistische Wege. Keiner ist universell richtig — es kommt auf deinen Haushalt, dein Dach und dein Budget an.
| Option | Aufwand | Kosten | Jährlicher Mehrwert |
|---|---|---|---|
| Weiterbetrieb (einfach weitermachen) | keiner | 0 € | gering (~68–200 €) |
| Eigenverbrauch umstellen | gering–mittel | 200–1.500 € | mittel–hoch (115–500+ €) |
| Repowering (neue Anlage) | hoch | 8.000–15.000+ € | hoch + neue 20 Jahre EEG |
| Abschalten | mittel | 0–gering | — |
Quellen: Verbraucherzentrale, ennergy.de
Die fünfte theoretische Option — Direktvermarktung — ist für private Haushalte mit typischen 3 bis 6 kWp praktisch irrelevant. Das lohnt sich erst ab mindestens 10 kWp mit einem Direktvermarktungsvertrag (laut photovoltaik-bw.de).
Lohnt es sich, auf Eigenverbrauch umzustellen — und was kostet das?
Für die meisten Haushalte ist die Umstellung auf Eigenverbrauch die wirtschaftlich sinnvollste Option — wenn die Module noch gut sind.
Die Grundidee: statt deinen Solarstrom für 4 Cent ins Netz einzuspeisen, verbrauchst du ihn selbst. Jede Kilowattstunde, die du nicht aus dem Netz kaufen musst, ist heute 33 bis 38 Cent wert — fast das Zehnfache der Einspeisung.
Was das technisch bedeutet: Ein Elektriker baut einen Zweirichtungszähler ein — der misst sowohl, wie viel du ins Netz einspeist, als auch, wie viel du aus dem Netz beziehst. Damit bekommt deine Anlage Vorrang vor dem Netzbezug. Den überschüssigen Strom speist du weiter ein und bekommst dafür die Anschlussvergütung von rund 4 ct/kWh.
Kosten laut ennergy.de: 200 bis 1.500 Euro, je nach Aufwand (2 bis 10 Stunden Arbeit). Was du damit erreichst:
- Durch Verhaltensanpassung (Waschmaschine und Spülmaschine tagsüber laufen lassen): 30–50 % Eigenverbrauch
- Mit einem Batteriespeicher: 60–80 % Eigenverbrauch — Speicher kosten 5.000 bis 12.000 Euro als Nachrüstung
Die jährliche Ersparnis nach der Umstellung (laut ennergy.de):
- 2 kWp mit 40 % Eigenverbrauch: +115 € pro Jahr
- 5 kWp mit 20 % Eigenverbrauch: +265 € pro Jahr
- 10 kWp, Eigenverbrauch optimiert: +500 € und mehr pro Jahr
Ob sich ein Batteriespeicher zusätzlich lohnt, hängt von deiner Anlagengröße und deinem Verbrauch ab — unser Artikel zum Batteriespeicher 2026 rechnet das durch. Wie du deinen Eigenverbrauch im Detail maximierst, erklärt der vollständige Guide zur Eigenverbrauchsoptimierung.
Wann lohnt sich Repowering — und was kostet eine neue Anlage wirklich?
Repowering bedeutet: alte Anlage runter, neue rauf. Das klingt teurer als es langfristig oft ist — vor allem, wenn man die Zahlen kennt.
Deine Anlage aus 2005 hat Module mit 100 bis 200 Wp pro Modul. Aktuelle Module liefern bis zu 450 Wp auf der gleichen Fläche. Konkret: Wo früher eine 3 bis 5 kWp-Anlage stand, passen heute 8 bis 12 kWp drauf (laut peak-energy.gmbh). Das ist nicht ein bisschen mehr — das ist eine andere Größenordnung.
Was eine neue Anlage bringt: Du bekommst eine neue 20-jährige EEG-Vergütung — aktuell 7,78 ct/kWh für Teileinspeisung (das Standardmodell für Haushalte, die einen Teil des Stroms selbst verbrauchen) laut Bundesnetzagentur. Wer den gesamten Strom einspeist (Volleinspeisung — selten sinnvoll für Familien mit normalem Verbrauch), bekommt 12,34 ct/kWh. Dazu kommen 0 % Mehrwertsteuer auf Module, Wechselrichter und Speicher bis 30 kWp (seit 2023) sowie die vollständige Befreiung von der Einkommensteuer auf Erträge bis 30 kWp (seit 2025). Und alle Komponenten haben neue Herstellergarantien.
Typische Kosten für eine neue 8–12 kWp-Anlage: 8.000 bis 15.000 Euro inklusive Montage. Was eine PV-Anlage 2026 genau kostet, schlüsseln wir im Preisartikel für 2026 nach Größe auf.
Wichtige Sonderregel aus dem Solarpaket I: Wer nur die Module austauscht statt die gesamte Anlage abzureißen, kann die alte Vergütung für die Bestandsleistung behalten. Die durch modernere Module gewonnene Mehrleistung bekommt eine neue 20-jährige EEG-Förderung. Für viele die eleganteste Lösung.
2026-Dringlichkeit: Die geplante EEG-Reform 2027 (Bundeswirtschaftsministerin Reiche, CDU) könnte die feste Einspeisevergütung für Neuanlagen abschaffen. Wer ein Repowering plant, sollte das noch 2026 tun — um die aktuelle garantierte Rate für 20 Jahre zu sichern.
Welche Option passt zu mir? Ein einfacher Entscheidungsbaum
Kein Artikel kann dir diese Entscheidung abnehmen — aber dieser Baum bringt dich nah ran:
Schritt 1: Wie alt ist dein Wechselrichter?
→ Unter 10 Jahren: weiter zu Schritt 2
→ Über 10–15 Jahre oder unbekannt: erst Fachprüfung (250–300 €), dann weiter
Schritt 2: Planst du in den nächsten 5 Jahren ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe?
→ Ja: Repowering lohnt sich fast immer — du brauchst deutlich mehr Leistung als deine alte Anlage liefert
→ Nein: weiter zu Schritt 3
Schritt 3: Steht in den nächsten 3–5 Jahren eine Dachsanierung an?
→ Ja: Anlage jetzt abschalten, nach der Sanierung neu installieren und neue EEG-Rate mitnehmen
→ Nein: weiter zu Schritt 4
Schritt 4: Wie groß ist deine Anlage?
→ Kleiner als 3 kWp: Weiterbetrieb mit Anschlussvergütung ist vertretbar — Umbaukosten amortisieren sich kaum
→ 3 kWp und größer: Umstellen auf Eigenverbrauch lohnt sich. Mit Speicher noch mehr.
Wer eine gut erhaltene Anlage ab 3 kWp hat, weder Dachsanierung noch EV plant und kein Budget für eine neue Anlage übrig hat, sollte auf Eigenverbrauch umstellen. Wer dagegen ohnehin ein Elektroauto kommen sieht, Budget hat und auf einer zu kleinen Altanlage sitzt, dem rechnet sich ein komplettes Repowering in den meisten Fällen.
Was muss ich beim Netzbetreiber und Marktstammdatenregister melden?
Kurze Antwort: mehr als du hofft, aber weniger als du befürchtest.
Das Marktstammdatenregister (ja, das ist wirklich ein Wort, und ja, es gibt eine Website dafür) muss bei jeder Änderung aktualisiert werden: Wechsel auf Eigenverbrauch, neuer Zählertyp, Modernisierung, Stilllegung — alles muss dort eingetragen werden. Klingt bürokratisch? Ist es auch. Dauert aber meistens unter einer Stunde.
Wer auf Eigenverbrauch umstellt, muss außerdem den Netzbetreiber informieren und einen Zweirichtungszähler installieren lassen. Das koordiniert in der Regel der beauftragte Elektriker.
Die gute Nachricht für alle, die sich vor Steuerärger fürchten: Seit dem Jahressteuergesetz 2022 sind Erträge aus PV-Anlagen bis 30 kWp vollständig von der Einkommensteuer befreit — auch für Ü20-Anlagen. Du musst nichts in der Steuererklärung angeben (laut Verbraucherzentrale). Finanzamt: kein Thema mehr.
Mehr zu den Anmeldepflichten im Detail — auch für den Fall, dass du auf Repowering umsteigst und die neue Anlage neu anmelden musst — erklärt unser Artikel zu den rechtlichen Pflichten für PV-Anlagen 2026.
Häufige Fragen zur Ü20-Solaranlage
Wann genau endet meine 20-jährige EEG-Vergütung?
Bekomme ich automatisch eine Benachrichtigung vom Netzbetreiber?
Kann ich einzelne Module austauschen, ohne die alte Vergütung zu verlieren?
Was passiert, wenn ich nach dem EEG-Ende einfach gar nichts tue?
Was könnte deine Anlage heute noch leisten — oder eine neue bringen?
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